Berlin (dapd). Sicherheit geht vor Ästhetik: Das auf dem Berliner Schlossplatz geplante Einheitsdenkmal bekommt ein Geländer. Das sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in einem dapd-Interview. Nach Präsentation des Entwurfs Mitte April hatte es Sicherheitsbedenken gegeben, Menschen könnten von dem Denkmal, einer Art begehbaren Wippe, herunterstürzen. Der Entwurf für das Denkmal stammt von der Arbeitsgemeinschaft Milla und Partner sowie der Choreografin Sasha Waltz Modell.
Das Denkmal mit dem Titel "Bürger in Bewegung" soll in spätestens drei Jahren fertig sein. Für den Bau des Denkmals stehen zehn Millionen Euro zur Verfügung. Der Bundestag hatte ihn am 9. November 2007 beschlossen. Als Standort wurde der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm auf der Schlossfreiheit festgelegt.
Gütesiegel bekommen
Neumann sagte, es werde kein besonderes Unfallrisiko geben. Die Hauptfragen seien in Richtung Sicherheit und technische Realisierbarkeit gegangen. "Das haben wir sorgsam untersucht, die Architekten haben uns TÜV-Gutachten vorgelegt, auch der Behindertenverband wurde in der Frage der Barrierefreiheit beteiligt. Und wir haben das Gütesiegel bekommen: Ja, das geht."
Neumann fügte hinzu: "Ein Geländer muss es geben." Die Sicherheitsfragen würden nun bei der weiteren Planung noch detaillierter weiterentwickelt. Es werde ein Denkmal entstehen, "das gerne wahrgenommen wird, das lebendig ist und mit großer Wirkung an die unwiderstehliche Freiheits- und Einheitsbewegung, an die friedliche Revolution erinnert", sagte Neumann.
"Faszinierender Entwurf"
Er empfinde den Entwurf als faszinierend. "Diese ästhetische Schale, die sich mit großer Leichtigkeit abzuheben scheint von ihrem Fundament, die sogar in Bewegung geraten kann, setzt das Thema 'Friedliche Revolution und Einheit' auf geniale Weise um, sagte er. Das Denkmal lade ein zur Aktivität, zur Kommunikation. Es bewege sich, wenn möglichst viele zusammenstünden. Die friedliche Revolution sei ja auch nur möglich gewesen, weil viele zusammengestanden hätten. Er sei sicher, das Denkmal werde eine Attraktion in Berlin werden, gerade auch für junge Leute.
Der Entwurf zeigt eine himmelwärts gebogene, begehbare Waagschale aus Glas und Metall. Auf ihrer Oberseite sind Losungen aus der Zeit des Mauerfalls zu sehen, die untere, vergoldete Seite zieren Bilder der Demonstrationen vom Herbst 1989 und aus der Wendezeit.
Jahrelange Suche
Mit der Entscheidung für Milla und Waltz ging Mitte April eine jahrelange Suche voller Pleiten und Pannen nach einem geeigneten Entwurf zu Ende: Ein erster Wettbewerb war 2009 gescheitert, weil keine der damals 533 eingereichten Arbeiten die notwendige Mehrheit erhielt. Für den zweiten Wettbewerb wurden gezielt Künstler und Architekten zur Bewerbung aufgefordert. Mitte Oktober war die Entscheidung für einen Siegerentwurf jedoch erneut aufgeschoben worden. Die 15-köpfige Jury des zweiten Wettbewerbes vergab drei gleichrangige Preise mit der Vorgabe, diese sollten überarbeitet werden. Im April fiel die Wahl dann auf Milla und Waltz.
In Leipzig soll bis 2014 ebenfalls ein Freiheits-Denkmal entstehen, für das der Bundestag fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat.
dapd
