Ärger um Biosprit E10

Die Einführung des Biokraftstoffs E10 lief anfangs recht zögerlich. Inzwischen ist er an den meisten Tankstellen zu finden. Doch sowohl den Kraftfahrern und den Klima-Experten bereitet er Kopfzerbrechen.

Seit Februar wird das Super Benzin E10 an den Tankstellen eingeführt. Der Umwelt zuliebe wird dem neuen Sprit 10 Prozent Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen beigemengt.

Doch an den Tankstellen herrscht Verunsicherung. Laut dem Mineralölwirtschaftsverband tanken sieben von zehn Fahrzeugführern das falsche, teurere Super Benzin. Laut dem Verband sei das jedoch unnötig, da 90 Prozent der Fahrzeuge für E10 geeignet seien. Doch um zu wissen, ob das eigene Fahrzeug den Biokraftstoff E10 verträgt, muss sich der Fahrer an den Fahrzeughersteller oder seine Werkstatt wenden. An der Tankstelle bekommt er dazu keine Auskunft.

 

 

Kritik der Umweltschützer

Inzwischen kritisieren Natur- und Umweltschutzverbände den neuen Biokraftstoff. Super E10 fördere nicht den Klimaschutz und liefere keinen positiven Beitrag.

Außerdem befürchten die Umweltschützer, da die meisten benzingetriebenen Pkw auf den neuen Sprit zurückgreifen, dass sich der Bedarf an Ethanol für die Kraftstoffproduktion verdoppeln wird. Hierfür würden neue Anbauflächen für Rohstoffe wie Weizen, Zuckerrüben und Mais nötig. In der Folge werde auf bisher ungenutzte Flächen ausgewichen, was zur Vernichtung wertvoller Biotope und zum Abholzen von Wäldern und Urwäldern führe, so die Umweltschützer. "Dies erhöht die CO2-Emissionen und wird bei der Zertifizierung von Agrokraftstoffen nicht berücksichtigt" bemängelt der Vorsitzende Hubert Weigler des Naturschutzsbundes BUND.

 

Forderung nach anderen Alternativen

Um den Bedarf zu decken, werden auch im Ausland die notwendigen Rohstoffe großflächig angepflanzt und dann nach Deutschland verfrachtet. Neben der CO2-Belastung, die durch den Transport entstehe, würden beim Anbau außerdem mehr Düngemittel und Pestiziden verwendet. Die Folgen seien zunehmende Schadstoffbelastungen von Gewässern, höhere Lachgasemissionen und das Aussterben seltener Pflanzen und Tiere, so der Naturschutzbund. Statt Biokraftstoff sollten EU und Bundesregierung Alternativen zum Auto attraktiver machen und die Verbrauchsvorgaben eines Autos verschärfen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bemängelt zudem, dass die E10-Einführung vor allem Sonderprofite für die Mineralölkonzerne bringe. Da nicht alle Autos den neuen Biosprit vertragen, müssten sie nun auf das teurere Superplus umsteigen, weil herkömmliches Super mit nur fünf Prozent Ethanolanteil nur noch an wenigen Tankstellen angeboten werde. Und dies bringe Zusatzeinnahmen.

 

 

(Global Press, Yahoo!)